Tattoos

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Ist das Kunst oder kann das weg?

Mein erstes Tattoo habe ich mir in meinem zweiten Ausbildungsjahr in Osnabrück stechen lassen.

Wir hatten zwei Tage die Woche Berufsschule und an dem kürzeren Schultag musste ich trotzdem noch arbeiten. Deshalb bin ich nach der Schule immer zu Fuß zur Kanzlei gelaufen – und dabei an einem Tattoo-Studio vorbeigekommen.

Schon lange hatte ich den Wunsch, mir ein Tattoo stechen zu lassen. Vielleicht war es Schicksal, dass ich ausgerechnet regelmäßig an diesem Studio vorbeilief. Irgendwann konnte ich nicht mehr widerstehen. Nachdem ich mir zu Hause ausreichend Gedanken über Motiv und Körperstelle gemacht hatte, ging ich hinein, schilderte meine Idee und verließ das Studio mit einem Termin, einer konkreten Vorstellung und dem Wissen, welche Kosten auf mich zukommen würden.

Ein halbes Jahr musste ich auf diesen Termin warten. Rückblickend war das wahrscheinlich gar nicht schlecht, denn so hatte ich genug Zeit, mir sicher zu sein, dass ich dieses Tattoo wirklich wollte. Und genau das würde ich auch heute jedem raten: Lieber ein paar Monate länger überlegen als später etwas bereuen.

Als der Termin endlich da war, war ich ziemlich nervös. Ich wusste nicht, was mich erwarten würde und wie gut ich die Schmerzen aushalten könnte. Im Kopf malt man sich schließlich immer die schlimmsten Szenarien aus.

Mein erstes Tattoo war ein Schriftzug auf meinem Schulterblatt – ein Spruch, der mir in schwierigen Momenten Mut gegeben hat. Gleichzeitig war es eine Stelle, an der ich das Tattoo zeigen konnte, wenn ich wollte, es aber auch problemlos verstecken konnte.

Was soll ich sagen? Der Termin dauerte nicht so lange wie erwartet und auf meiner persönlichen Schmerzskala war es eine solide 5 von 10. Als ich das fertige Tattoo zum ersten Mal gesehen habe, war ich einfach nur glücklich. Endlich hatte ich mich getraut und konnte mein erstes kleines Kunstwerk mit nach Hause nehmen.

Viele sagen, dass Tätowieren eine kleine Sucht ist. Was soll ich dazu sagen? Es stimmt zu 100 Prozent. Mittlerweile habe ich einige Tattoos und bei manchen Terminen dachte ich mir währenddessen: „Nie wieder!“ – nur um ein paar Monate später wieder einen neuen Termin zu vereinbaren.

Es gibt sicherlich Menschen, die bei einem oder zwei Tattoos bleiben möchten. Und dann gibt es diejenigen, die immer neue Ideen sammeln und irgendwann feststellen, dass noch jede Menge freie Haut übrig ist. Ich gehöre wohl eher zur zweiten Kategorie.

Ich fand tätowierte Menschen schon immer faszinierend. Für mich erzählt jedes Tattoo eine Geschichte oder erinnert an einen bestimmten Lebensabschnitt. Manche Motive haben eine tiefe Bedeutung, andere gefallen einfach optisch – und auch das ist völlig in Ordnung. Nicht jedes Tattoo muss eine riesige Lebensphilosophie verkörpern.

Zugegeben: Vor ein paar Jahren waren meine Tattoos auch eine Art Schutzpanzer. Ich habe mich in meinem Körper nicht besonders wohlgefühlt und wollte mich hinter ihnen verstecken oder bestimmte Stellen kaschieren. Die Tattoos haben meinen Blick auf meinen eigenen Körper verändert und mir geholfen, mich wohler zu fühlen.

Heute sehe ich das etwas anders. Meine Tattoos definieren mich nicht, aber sie gehören zu mir und erzählen ein Stück meiner Geschichte. Jedes einzelne erinnert mich an einen Moment, eine Entscheidung oder einfach an die Person, die ich zu dieser Zeit war.

Als die Tattoos immer mehr wurden und ich auch welche an den Fingern oder anderen gut sichtbaren Stellen bekam, war meine Mutter natürlich nicht begeistert. Sie hatte Angst, dass mir das beruflich Nachteile bringen könnte. Anfangs habe ich deshalb bewusst nur Stellen gewählt, die sich leicht verdecken ließen. Doch irgendwann wurde mir klar: Es ist mein Körper und ich möchte ihn so gestalten, wie es sich für mich richtig anfühlt.

Außerdem verändert sich die Gesellschaft. Tattoos sind heute viel alltäglicher als noch vor einigen Jahren und in vielen Berufen längst kein Ausschlusskriterium mehr. Natürlich gibt es immer noch Branchen, in denen konservativere Vorstellungen herrschen, aber am Ende sagt ein Tattoo nichts über die Fähigkeiten, die Intelligenz oder den Charakter eines Menschen aus.

Der wichtigste Wandel fand allerdings nicht auf meiner Haut statt, sondern in meinem Kopf. Ich habe gelernt, meinen Körper zu akzeptieren und zu lieben – so wie er ist. Und ich glaube, dass ich das heute auch ohne Tattoos könnte.

Gerade junge Frauen kennen diese Phasen der Unsicherheit. In der Pubertät oder Anfang zwanzig vergleichen wir uns ständig mit anderen und suchen nach vermeintlichen Makeln. Durch soziale Medien ist dieser Druck oft sogar noch größer geworden.

Deshalb möchte ich dir zum Schluss noch etwas mitgeben: Gestalte dein Leben so, wie es sich für dich richtig anfühlt – egal ob mit Tattoos oder ohne. Wichtig ist nicht, was andere davon halten, sondern dass du dich in deiner eigenen Haut wohlfühlst.

Das Leben ist zu kurz, um sich nur auf Äußerlichkeiten zu konzentrieren. Jeder Mensch ist auf seine eigene Weise schön, einzigartig und wertvoll.

Du bist wundervoll.

xoxo Franky

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